Eine App und Werte – wie passt das zusammen?

Wertearbeit über ein digitales Tool? Als ich das zum ersten mal hörte, war ich skeptisch. Nur wenige Monate später bringen wir den Prozess in den deutschsprachigen Raum. Warum das so ist – erzählt dieser Blogpost.

Dass Wertearbeit über ein digitales Tool funktionieren kann – auf diese Idee wäre ich vor einem Jahr noch nicht gekommen.

Für unlearn sind Werte von zentraler Wichtigkeit. Weil sie uns ausrichten, besonders dann, wenn etwas unübersichtlich oder undurchsichtig ist. Im Gespräch mit Kunden haben wir aber oft erlebt, dass Organisationswerten nicht viel Bedeutung beigemessen wird, dass sie wertlos sind. Definiert vom Management, ohne Verankerung bei den Mitarbeitern haben sie keine praktische Relevanz oder erzeugen sogar Widerstand.

Ein echtes und integratives Gespräch über Werte herzustellen, ist natürlich trotzdem möglich – aber aufwendig, oft abstrakt, und das Gespräch kann unserer Erfahrung nach schnell ausfasern.

Im Juni 2017 traf ich dann Jan Henriksson von SelfLeaders zum ersten Mal in unserem Berliner cocreation.loft. Er war zu Gast aus Stockholm und war gleichzeitig voll beschäftigt und doch ganz präsent in unserem Raum. Diese Energie faszinierte mich – ich bot ihm einen Kaffee an, wenig später saß auch mein Kollege und Freund Hanno Burmester mit am Küchentisch und wir kamen ins Gespräch.

Jan erzählte uns von Values in Action, einem Werte-Tool, das SelfLeaders 2016 entwickelt hatte. Auf den ersten Blick erschien mir die Idee absurd: Warum sollte ich eine App nutzen um über Werte zu sprechen? Meine Werte sind schließlich tief in mir verwurzelt – erwachsen aus ganz persönlichen Erfahrungen geben sie mir Orientierung. Digitale Tools hingegen bespielen oft das Oberflächliche. Ich war skeptisch, ob die Verbindung von App und Wertearbeit sinnvoll sein könnte und auch, ob sie ernst gemeint war.

Als wir das Tool dann selbst ausprobierten, waren wir begeistert: In liebevoller und intensiver Vorarbeit von inzwischen neun Jahren hat das schwedische Team die wichtigsten Forschungsergebnisse zu Werten und Motivation zusammengetragen und sie in einen Prozess übersetzt, der schlank und kraftvoll ist. Dass er am Ende über Smartphone oder Laptop läuft, ist zeitgemäß und praktisch. Die App ist ein roter Faden im Gespräch – sie unterstützt die Reflexionsprozesse der Nutzer durch Übersichtlichkeit, Definitionen und Visualisierungen. Sie ermöglicht selbstorganisiertes Arbeiten, so dass Wertearbeit auch bei Gruppengrößen von mehreren hundert Menschen möglich wird. Und sie macht Spaß!

Das Wichtige für mich: Die eigentliche Arbeit findet natürlich nicht auf einer digitalen Oberfläche statt. Das Tool stupst die Nutzer in Selbstreflexion und intensive Gespräche, wie sie sonst nicht stattfinden würden. Ein Kunde brachte es neulich auf den Punkt: „Seit Jahren arbeite ich mit meiner Kollegin zusammen. Jetzt habe ich sie in 15 Minuten besser kennengelernt als in fünf Jahren!“.

Stockholm und Berlin

Es ist dieser hohe Grad an emotionaler Tiefe, der Values in Action wirksam macht – und uns überzeugt hat, den Prozess nach Deutschland zu bringen. Mitte September 2017 sind Hanno und ich nach Stockholm gefahren, um die Kooperation mit SelfLeders zu besiegeln und eine vertiefte Ausbildung in den theoretischen und praktischen Grundlagen des Prozesses zu bekommen.

Beim Besuch wurde schnell klar: wir teilen mit SelfLeaders nicht nur die Überzeugung, dass die Arbeit mit Werten essentiell wichtig ist. Sondern auch Grundprinzipien und Meta-Modelle – wir stützen uns in unserer Arbeit auf die gleichen Theorien: psychologische Forschung zu Arbeit und Motivation, Entwicklungspsychologie und Verhaltensökonomie. Und, noch wichtiger, die Überzeugung, dass der Wesenskern unserer Arbeit ist, die unmittelbare Begegnung zwischen Menschen herzustellen.

Als Repräsentanten für Values in Action im deutschsprachigen Raum können wir von den Erfahrungen profitieren, die SelfLeaders bislang in Skandinavien und den USA gesammelt hat. Dort wird Values in Action für organisationsübergreifende Werteprozesse, Teamentwicklung und im Recruiting als innovatives und wirksames Tool genutzt – inzwischen von mehr als 22.000 Menschen. In Deutschland laufen inzwischen die ersten Piloten und „live“-Projekte.

Unser bisheriger Erfahrungswert: Die Values in Action-Workshops bieten den Rahmen dafür, anderen Menschen unmittelbar und echt zu begegnen. Das ist bewegend und belebend. Denn wenn Menschen Klarheit über ihre Werte haben und wissen, wie sie auf ihre ganz individuelle und einzigartige Art zum Wohl ihrer Organisation oder der Gesellschaft beitragen wollen, entfaltet sich ungeahnte Energie und Lust an der Zukunft. Und das ist vermutlich das Wichtigste, was Organisationen in Transformationszeiten brauchen.

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Klara